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Niedrige Zinsen klingen ja noch irgendwie normal: Aber: Wie können Zinsen eigentlich negativ sein?

Niedrige Zinsen klingen ja noch irgendwie normal. Aber: Wie können Zinsen eigentlich negativ sein? Captain Kohle erklärt.

Wozu sind Zinsen da?

Niedrige Zinsen - oft das Hauptargument in der Werbung

Zinsen sind der Preis dafür, jemand anderen sein Geld für einen bestimmten Zeitraum nutzen zu lassen. Sie entschädigen den Verleiher dafür, es in der Zeit nicht selbst nutzen (und damit Geld verdienen zu können) , dafür, dass das Geld wegen Inflation meist weniger wert ist als vorher - und für das Risiko, dass er sein Geld am Ende nicht zurückbekommt.

Ob das gerecht ist? Darüber kann man diskutieren...

Wie kommen Zinsen zustande?

Wenn man mal "Zinsen" im Internet oder anderen Medien sucht, findet man alle möglichen Zinssätze: von über 15% bis hin zu "Negativzinsen". Ist die Höhe des Zinses also reiner Zufall?

Nein - der Zins wird ja meist von einer Seite gefordert und von der anderen bezahlt. Es einigen sich also immer zwei Seiten auf einen Zinssatz. Und warum entscheiden sich die Werte so stark voneinander?

  1. Je höher das Risiko, dass ein Kunde nicht bezahlt, desto mehr wird der Verleiher verlangen, um das auszugleichen.
  2. Wenn der Zinssatz für einen besonders langen Zeitraum gelten soll, ist er meist höher als für kurze Zeiträume.
  3. Und je mehr der Verleiher mit anderen Geldanlagen verdienen könnte, desto höhere Zinsen wird er auch für einen Kredit verlangen.

Diese drei Größen - Risiko, Laufzeit und andere mögliche Erträge - erklären die große Bandbreite.

Und das sogenannte "Zinsniveau"?

Warum zur gleichen Zeit verschiedene Zinsen verlangt werden können, ist also klar. Und warum steigen und fallen Zinsen mit der Zeit?

Eine zentrale Rolle beim allgemeinen Zinsniveau spielt die Zentralbank. Der Name sagt einiges: sie ist die Organisation, die Geld drucken lässt und die Zinsen festlegt, zu denen die anderen Banken bei ihr Geld anlegen und leihen können.

Damit beeinflusst sie dann die Zinssätze, die diese Banken mit ihren Kunden vereinbaren.

Ist das wichtig?

Für das Wirtschaftsleben sehr:

Niedrige Zinsen bedeuten, dass Unternehmen weniger Geld für Kredite bezahlen müssen. Sie können sich also mehr Geld für Investitionen leihen - sinkende Zinsen bedeuten also meist, dass Unternehmensgewinne steigen und die Wirtschaft schneller wächst.

Sie bedeuten allerdings auch, dass Sparen sich weniger lohnt und dass die steigenden Investitionen oft für steigende Preise sorgen.

Hohe Zinsen dagegen freuen den Sparer - er bekommt für seine Geldanlage ja mehr.

Steigende oder fallende Zinsen haben also starke Auswirkungen - und beide haben jeweils ihre Befürworter und Gegner.

Wie können Zinsen eigentlich negativ sein?

Deutschland hat ja als Währung den Euro - damit ist für Deutschland die Europäische Zentralbank (auch als EZB bekannt) zuständig.

Damit muss sie die Zinsen so steuern, dass die Inflation (also der Preisanstieg) nicht zu hoch wird, die Unternehmen sich aber Kredite leisten können. Dabei kamen lange auch recht "normale" Zinssätze heraus.

Im Jahr 2011 kam es zu einer Krise: mehrere europäische Staaten (Griechenland, Portugal, Irland, aber auch andere) konnten ihre Kredite nicht mehr bezahlen.

Das war eine gefährliche Situation: wenn sein Staat nicht mehr zahlen kann, fehlt dieses Geld denjenigen, denen er das Geld schuldet. Das kann große Firmenpleiten und Massenarmut auslösen.

Also senkte die EZB die Zinsen, um die Wirtschaft zu beleben - und auch, um die Zinslast für diese Staaten zu senken. Das tat sie in mehreren Schritten - bis sie tatsächlich bei Werten knapp unter Null ankam.

Geht das überhaupt?

Eine gute Frage. Warum sollte ein Anleger seiner Bank für Minuszinsen Geld leihen? Dann wäre er ja besser dran, wenn er es im Sparschwein behält! Und selbst das halten viele schon für Unsinn.

Tatsächlich: Private Sparer sehen das nicht ein - und deshalb haben Banken Schwierigkeiten, das gegenüber ihren privaten Kunden durchzusetzen.

Die Banken selbst oder große Unternehmen haben aber ein Problem mit ihrem "übrigen" Geld: es geht dabei um sehr große Beträge.

Millionen- oder Milliardenbeträge passen in kein Sparschwein - selbst Tresore werden da schnell zu klein. So viel Bargeld aufzubewahren, zu bewachen, zu versichern und zu transportieren würde auch viel Geld kosten.

Deshalb bezahlen sie lieber geringe negative Zinsen, als Geld bar zu lagern und größere Summen bar bezahlen zu müssen.

Und so kann es zu negativen Zinsen kommen.

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Geld verliert durch Inflation jährlich an Wert, so dass man sich trotz Zinsen davon weniger kaufen kann als jetzt. Ist es also dumm zu sparen?

Captain Kohle stellt die Nachteile und Vorteile, die Sparen trotz niedriger Zinsen hat.

Sparkonto oder Sparschwein - von den Zinsen fast das Gleiche

Für Guthaben auf Sparkonten gibt es nur etwa 0,25% Zinsen jährlich.

Geld verliert durch Inflation jährlich etwa anderthalb Prozent an Wert, so dass man sich trotz der Zinsen davon später weniger kaufen kann als jetzt.

Ist es also dumm, zu sparen?

Das kommt darauf an, welche Ziele man dabei hat. Wenn man auf einen bestimmten Gegenstand spart und das Geld zusammen hat, ist es natürlich besser früher zu kaufen, bevor der Preis ansteigt.

Es gibt aber immer noch mehrere Gründe, trotzdem zu sparen:

Du bekommst so Geld für Dinge zusammen, die Du Dir so nicht leisten könntest

Du erreichst Beträge, die man besser anlegen kann als auf einem Sparkonto. Sparkonten eignen sich am besten für kleinere Beträge und für kürzere Zeiträume. Ab etwa 2.000 Euro lohnen sich bessere Geldanlagen - das ist erst mal eine hohe Hürde... die man aber in ein paar Jahren schaffen kann.

Sparen vermeidet Schulden. Unter 18 kann und darf man zwar sowieso keine Schulden machen. Aber viele junge Erwachsene stolpern als erstes in Schuldenfallen, weil sie Geld ausgeben, das sie einfach nicht haben (häufiges Beispiel: teure Handyverträge).

Sparen macht unabhängiger. Die meisten Jugendlichen leben bei ihren Eltern - und manche bleiben auch danach ewig dort wohnen. Einer der Gründe dafür ist, dass eine eigene Wohnung einen Haufen Geld kostet. Klar, da sind die laufenden Kosten wie Miete, Strom, DSL-Anschluss, Heizung, die jeden Monat anfallen.

Auch der kleine Umzug in die erste Wohnung kostet einiges.

Aber es gibt eben auch einen großen Brocken, den das ganz zu Anfang auf einen Schlag kostet: die ersten eigenen Möbel, der Umzug mit den eigenen Sachen... Und der Vermieter verlangt meist nicht nur die laufende Miete, sondern eine sogenannte Mietkaution. Das ist eine Summe von meist drei Monatsmieten, die er als Sicherheit dafür haben will, dass er immer seine Miete bekommt. Die geht zwar auf ein Sparkonto und das Geld bekommt man wieder, wenn man auszieht.

Aber auch das Geld muss man erst mal haben - und zwar, bevor es mit dem Ausziehen zuhause erst mal losgeht.

Es kommt mehr zusammen. Wem schenkt man eher etwas: jemandem, der es schätzt und behält oder jemandem, bei dem alles sofort weg ist?

Und der letzte Grund, aber auch sehr wichtig:

Du gewöhnst Dich dran, regelmäßig etwas Geld übrig zu haben.

Gewohnheiten sind ziemlich mächtig, und vielen Leuten fällt es schwer, sich Dinge abzugewöhnen, die sie eigentlich falsch finden.

Zu diesen Gewohnheiten zählt auch der Umgang mit Geld. Einige Leute schaffen es immer, mit ihren Einnahmen auszukommen. Und andere "schaffen" es auch bei sehr hohem Verdienst immer wieder, am Monatsende ohne Geld dazustehen.

Das hängt davon ab, wie gut oder schlecht sie sich angewöhnt haben, mit ihrem Geld umzugehen - und auch mal Geld zurückzulegen.

Auch wenn es dabei noch nicht um Riesensummen geht - jetzt ist genau die richtige Zeit, Euch die richtigen Gewohnheiten zuzulegen!

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