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Schule, dann Ausbildung oder Studium, dann Beruf und Geldverdienen - das ist der "normale Weg". Aber man liest ja viel von Hartz 4. Einfach Hartz 4 statt Beruf - ginge das? Captain Kohe erklärt.

Mein Schock-Erlebnis

In den letzten Monaten habe ich viel mit Schulen über Unterricht in persönlichen Finanzen gesprochen. Das ist ja mein Thema - ich finde, dass man das fürs Leben braucht.

Der Leiter einer Schule in einem Berliner Problembezirk sagte mir bei einem dieser Gespräche:

"Wissen Sie, über 80% unserer Schüler kommen aus Familien, die Hartz 4 beziehen.

Bei vielen davon hat auch im Verwandtenkreis nie jemand selbst Geld verdient. Die sind voll darauf eingestellt, später auch selbst von Hartz 4 zu leben. 

Und deshalb interessieren sie sich nicht für Sparen und Finanzen."

Das hat mich gleich mehrfach geschockt:

  1. Ich fand diesen hohen Anteil erschreckend.
  2. An den Finanzen ärmerer Menschen wird sich nie etwas ändern, wenn sie sich dafür nicht interessieren.
  3. Dieser Schulleiter hatte ja aufgegeben, irgendetwas an der Situation zu ändern.
  4. Das heißt ja auch für ihn, dass er als Schulleiter einen unsinnigen Job hat: Nur von Hartz 4 zu leben erfordert ja schließlich keine große Schulbildung.

Was genau ist eigentlich Hartz 4?

Vor etwa 20 Jahren änderte und vereinfachte die deutsche Regierung die Zahlungen, die Menschen ohne ausreichendes Einkommen und Vermögen bekommen.  Diese Reformen wurden nach dem Manager und Politiker Peter Hartz benannt, der sie entwickelt hatte. Und weil diese Veränderungen in mehreren Stufen kamen, blieb der Name für den letzten Schritt dieser Maßnahmen: "Hartz 4".

Wer nichts oder zu wenig verdient, um davon leben zu können und auch kein Vermögen hat, kann Hilfe vom Staat beantragen.

Dieses Geld heißt offiziell "Arbeitslosengeld 2" - wird meist aber Hartz 4 genannt.

Wie funktioniert Hartz 4?

Man beantragt das "Arbeitslosengeld 2" bei der Arbeitsagentur, die genau prüft, ob man einen Anspruch auf diese Unterstützung hat. Dazu muss man umfangreiche Angaben über Einkommen und Vermögen machen.

Familien und Paare werden als Gemeinschaft betrachtet - man erwartet, dass sie füreinander einstehen, ehe der Staat einspringt. Das führt z.B. dazu, dass bei Wohngemeinschaften oft sehr persönliche Fragen gestellt werden: "Teilen Sie nur die Wohnung oder leben Sie wie ein Ehepaar zusammen? Bewahren Sie Ihre Lebensmittel zusammen oder getrennt auf?"...

Und man muss auch danach immer wieder erklären, was man bekommt und hat - und wie man lebt.

Die regelmäßige Zahlung ist so hoch, dass davon ein einfaches Leben ohne Luxus und Reisen möglich ist; falls zusätzliche Anschaffungen oder Ausgaben (Möbel, Hausgeräte, Klassenfahrten für Kinder) nötig sind, muss das zusätzlich beantragt werden.

Hartz 4 statt Beruf - ginge das?

Mein Schock-Gespräch vom Anfang des Artikels zeigt:

Chillen ohne Arbeit mit Hartz 4?

Niemand muss in Deutschland verhungern - wer legal in Deutschland lebt und nicht arbeitet, kann also über Hartz 4 versorgt werden. Es ist eigentlich nicht als Alternative für Leute ohne Lust auf Arbeit gedacht - man könnte es aber so nutzen.

Warum es trotzdem keine gute Idee ist...

Da gibt es eine ganze Reihe guter Gründe:

  • Man kann zwar von Hartz 4 leben - aber die Sätze orientieren sich am "Existenzminimum": Sich wirklich etwas leisten wird also schwierig bis unmöglich.
  • Sparen wird sinnlos: hat man mehr Geld als einen bestimmten Betrag angespart, muss man das erst verbrauchen, bevor es wieder Geld vom Amt gibt.
  • Man muss ständig Behörden erklären, was man (nicht) hat, was man braucht und wie man mit wem zusammenlebt. Fast so, als bekäme man ein Leben lang nur Taschengeld.
  • Es wird nie wirklich besser - denn anders als bei Arbeit besteht keine Chance, sein Einkommen zu verbessern.
  • Es kann allerdings deutlich schlechter werden: in verschiedenen Ländern (z.B. USA, Großbritannien, Griechenland) haben die Regierungen ähnliche Zahlungen gestrichen oder gekürzt.
  • Auswandern kann man auch vergessen: kein Land nimmt gern Einwanderer auf, die sich nicht selbst ernähren können.
  • Man kommt nur schwierig wieder heraus: je länger man nicht arbeitet und Hartz 4 bekommt, desto schwieriger findet man wieder eine Arbeit. Wenn man nicht mal einen Beruf gelernt hat, wird das besonders schwierig.

Ein Leben ohne Arbeit klingt immer erst mal nett.

Hartz 4 statt Beruf ist aber auf Dauer ein weiter öder Weg - und in vielen Fällen eine Sackgasse.

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