Springe zum Inhalt

Für viele Werte gibt es unterschiedliche Messmethoden oder Angaben: Einige zählen dabei bestimmte Werte mit (brutto), andere dagegen nicht (netto). Captain Kohle zeigt das an einigen Beispielen.

Was bedeuten brutto und netto? Was sind die Unterschiede? Und wie merke ich mir das am besten? Und wie wirkt sich das aus? Captain Kohle erklärt.

Kurz bevor Angela Merkel Kanzlerin wurde, hatte ihr Vorgänger Gerhard Schröder gut lachen: Seine politische Gegnerin Frau Merkel hatte sich in einer Rede vertan und Brutto und Netto durcheinandergebracht. Darüber machte er sich ausgiebig lustig.

Worum geht es dabei eigentlich?

Was bedeuten brutto und netto?

Ganz einfach: für verschiedene Werte gibt es unterschiedliche Meßmethoden oder Angaben: Manchmal werden bei vergleichbaren Dingen einige Bestandteile mitgezählt, manchmal aber auch nicht.

Als Brutto bezeichnet man dann den höheren Wert, in dem "alles" mitgezählt wird, als Netto den kleineren Wert.

Und wie merkt man sich das am besten? Ganz einfach:

"Brutto" ist meist der größere Wert - hat ja auch einen Buchstaben mehr als "Netto".

Brutto- und Nettopreise

In Deutschland müssen Unternehmen die Preise für Endverbraucher immer einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer angeben:

Man zahlt an der Kasse genau den genannten Preis, weil er die Mehrwertsteuer schon enthält. (In den USA ist das anders: da steht der Nettopreis in der Werbung und auf dem Produkt - an der Kasse muss man aber zusätzlich die "Sales Tax" zahlen).

Firmen untereinander tun das nicht - sie vereinbaren miteinander die Nettopreise - also die Preise ohne die Mehrwertsteuer. Sie wissen dann selbst, dass sie die Mehrwertsteuer dazurechnen müssen.

Die Preise ohne Mehrwertsteuer versteht man also als Nettopreise, die einschließlich der Mehrwertsteuer als Bruttopreise.

Brutto- und Nettolöhne und -gehälter

Wenn sich eine Firma und ein Arbeitnehmer auf ein Gehalt einigen, ist das in aller Regel das Bruttogehalt.

Was man brutto verdient und was man ausgeben kann, sind völlig unterschiedliche Dinge
Bildquelle: Image by analogicus on Pixabay

Leider bekommt der Arbeitnehmer nicht annähernd diesen Betrag ausgezahlt:

Das Unternehmen erstellt eine Gehaltsabrechnung.

Darin berechnet es genau, wie viel von diesem Gehalt für Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung und für die Lohnsteuer abgeht. Es überweist nur den Rest an den Arbeitnehmer.

Dieser Rest ist das sogenannte Nettogehalt. Die Höhe der Abzüge hängt von vielen Faktoren ab (Einkommenshöhe, Wahl der Krankenversicherung, Familienstand und Zahl der Kinder).

Und so fallen diese Abzüge auch sehr unterschiedlich aus und können bis zur Hälfte ausmachen. Man kann sich das im Internet auf sogenannten "Brutto-Netto-Rechnern" mal mit verschiedenen Varianten durchrechnen.

Brutto- und Nettokapitalerträge

Hier unterscheidet man oft zwischen Brutto- und Nettorenditen (Rendite = jährlicher Ertrag geteilt durch das eingesetzte Geld).

Hier besteht die Differenz von Brutto und Netto in anfallenden Kosten (Verwaltungsgebühren etc.) und Steuern, die auf diese Erträge anfallen können.

Brutto- und Nettomieten

Auch Mieten für Wohnungen und Häuser unterscheidet man zwischen Brutto und Netto:

Netto ist die reine Zahlung, die der Vermieter für die Bereitstellung des Hauses oder der Wohnung bekommt.

Der Mieter muss jedoch zusätzlich Geld für Wasser, Treppenhausreinigung, Hausverwaltung, Müllentsorgung und andere Betriebskosten bezahlen... was sich dann zur Bruttomiete addiert.

Hier wird es ein bisschen kompliziert:

Oft streiten sich Vermieter und Mieter darüber, was ein Vermieter dem Mieter an Kosten berechnen darf.

Manchmal gibt es auch Dinge wie eine "Bruttokaltmiete", die zwar fast alle möglichen anderen Positionen enthält - nicht aber die Heizungskosten.

Brutto- und Nettomaße

Bei Volumen und Flächen unterscheidet man oft zwischen den äußeren Abmessungen und den Innenmaßen (z.B. ohne Innenwände), bei Fahrzeugen zwischen dem Gesamtgewicht und dem, was sie unbeladen wiegen...

Das Prinzip ist das Gleiche.

Die Auswirkungen

Diese Liste ist nicht vollständig - sie erläutert das Prinzip aber ganz gut. Wichtig ist, bei Zahlenangaben immer auch zu verstehen, wie diese Werte gemeint sind.

Sonst passen eventuell Möbel nicht in Wohnungen oder Lasten nicht in Fahrzeuge.

Bei Finanzen kann es richtig unangenehm werden:

Bei einem Monatsgehalt von 3.000 € klingen 1.000 € Monatsmiete ja leicht machbar: auf den ersten Blick sieht das nach 2.000 € Rest zum Leben aus.

Wenn man das Prinzip von Brutto und Netto verstanden hat und die richtigen Fragen stellt, merkt man aber schnell:

  • Von 3.000 € Bruttogehalt werden nach den Abzügen etwa 2.000 € netto ausgezahlt.
  • Zur Nettomiete von 1.000 € kommen oft noch 300 € an Betriebskosten und Heizung hinzu.

... und schon bleiben nicht mehr 2.000 €, sondern nur noch 700 € für den sonstigen Lebensunterhalt übrig.

Alles klar?

Das würde mich überraschen!

Das Grundprinzip von Brutto und Netto ist ja leicht zu verstehen - in vielen Fällen muss man aber wirklich genau klären, was die Unterschiede zwischen Brutto und Netto ausmacht:

Welche Positionen genau liegen zwischen Brutto und Netto? Enthält in diesem konkreten Fall das "Brutto" wirklich alles? Muss man nicht auch noch vom "Netto" doch noch irgendetwas abziehen?

Es ist absolut keine Schande, das zu fragen!

Mache ich auch gerne! Und gerade die, die mit den Brutto- und Nettobegriffen am sichersten herumwerfen, müssen dann oft selbst nachfragen gehen.

Captain Kohle erklärt Jugendlichen Geld und Finanzen auf einfache Weise. Wenn Dich das interessiert, kannst Du hier mehr über Captain Kohle erfahren und Dich hier über neue Artikel informieren lassen. Und im Shop findest Du das aktuelle Buchangebot.