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Rettet unser Bargeld??

Seit einiger Zeit gibt es eine Bürgerinitiative namens "Rettet unser Bargeld". Was ist damit gemeint? Ist es denn bedroht? Warum ist das wichtig? Will es uns jemand wegnehmen? Captain Kohle erklärt. 

Vor einigen Jahren wurde eine Bürgerinitiative namens "Rettet unser Bargeld" gegründet. Ihr Ziel ist es, Bargeld als Zahlungsmittel zu verteidigen. Mehrere Politiker verschiedener Parteien unterstützen sie bei diesem Ziel.

"Rettet unser Bargeld" sammelt Unterschriften für eine Petition an den Bundestag. Damit will sie erreichen, dass die Abgeordneten das Thema diskutieren. Aktuell sind dafür etwas über 28.000 Unterschriften zusammengekommen.

Was ist damit gemeint?

Der Begriff Bargeld ist ja recht klar: Geld in Münzen und Scheinen. Ist das denn in Gefahr?

Etwas schon - es ist aber nicht mehr so wichtig:

Noch vor etwa 60 Jahren bezahlten Privatleute fast alles mit Bargeld. Sie erhielten ihr Gehalt oder ihren Lohn in einer "Lohntüte" und zahlten fast alle ihre Ausgaben damit.

Das war ziemlich kompliziert:

  • Geld lag bis zum Ausgeben in den Wohnungen herum.
  • Selbst Strom- , Gas- und Wasserlieferanten sammelten Geld bar ein.
  • Wer über Entfernungen Geld schicken wollte, steckte teils Geld in Umschläge.
  • Auch beim Sparen machte das Geld erst mal Pause: es landete erst mal in Sparschweinen oder Sparstrümpfen.

Aber man kam recht gut ohne Konten und Karten aus - und Apps gab es sowieso noch nicht. Allerdings war das Zählen und Transportieren von Bargeld mühsam und kostspielig.

Seitdem hat sich das geändert:

Löhne und Gehälter laufen über Bankkonten, fast alle größeren Zahlungen auch. Die meisten nutzen Bargeld nur für kleinere Käufe des täglichen Lebens.

Viele Schüler bekommen zwar heute ihr Taschengeld immer noch bar - aber auch hier geht der Trend zum Konto. Immer mehr Zahlungen werden über Girocard, PayPal oder andere Apps gemacht.

Einige Geschäfte lehnen Bargeld schon völlig ab: Dort kann man nur noch über Karten zahlen; mit Scheinen und Münzen wollen sie nichts mehr zu tun haben. In Deutschland ist das noch selten, in Schweden oder Dänemark aber schon sehr häufig.

Bargeld könnte also irgendwann ganz verschwinden.

Was wären die Vorteile, wenn Bargeld verschwindet?

Ein paar Dinge wären einfacher:

  • Bargeld kann leicht gestohlen werden.
  • Das Drucken von Scheinen und Prägen von Münzen kostet viel Geld.
  • Der Kampf gegen Geldfälschung ist aufwendig.
  • Oft nutzen Kriminelle Bargeld, weil es keine Spuren auf Konten hinterlässt.
  • Wer "schwarz arbeitet", also keine Steuern zahlt, nutzt auch meist Bargeld.

Aus diesem Grund sehen viele Bargeld nur als Störfaktor, den sie loswerden möchten.

Warum dann "Rettet unser Bargeld"?

Es gibt auch viele Gründe für Bargeld:

Wer mit Bargeld zahlt, ist dabei unabhängig von Technik. Stromausfälle oder defekte Geräte haben beim Bezahlen dann geringere Folgen.

Wenn das Zahlen nur noch elektronisch funktioniert, bedeutet ein gesperrtes Konto völligen Stillstand. Eine Bankenkrise kann dann sofort alles lahmlegen.

Unrealistisch?

Vor wenigen Jahren erwischte es die Mittelmeerinsel Zypern. Wegen einer Finanzkrise wurden plötzlich alle Bankkonten "eingefroren" - Zahlungen von Konten in Zypern waren nicht mehr möglich. Geld abheben ging auch nicht mehr. Auch die Pleite einer Bank wirkt sich dann stärker aus.

Nur wer gerade genug Bargeld übrig hatte, konnte noch einkaufen gehen.

Und Zypern war kein Einzelfall: Immer wieder haben Regierungen versucht, Gelder auf Konten zu sperren oder wegzunehmen. Mal traf es einzelne Bürger, mal alle.

Oft kamen die Eigentümer erst wieder an ihr Geld, wenn es durch Inflation seinen Wert verloren hatte.

Bargeld bedeutet also auch Unabhängigkeit von Technik und von Politik.

Ein weiteres wichtiges Argument ist Datenschutz:

Wenn Bezahlen nur noch über Konten und Karten läuft, wird jede einzelne Zahlung dokumentiert. Viele wollen das aus Gründen der Privatsphäre nicht.

Und es gibt ein weiteres, sehr aktuelles Argument:

In letzter Zeit führen Deutschland und andere Länder des Euro negative Zinsen ein. Das ist noch nicht bei allen Banken angekommen, kann aber bald passieren.

Solange man sein Geld noch in Scheinen aufheben kann, muss man das nicht mitmachen. Man es ja als Bargeld aufheben und spart so die Minuszinsen. Ohne Bargeld ginge das nicht mehr.

Bargeld und das Gefühl für Wert

Forschungen haben gezeigt: Wer bar bezahlt, geht vorsichtiger mit seinem Geld um.

Wer etwas kauft und mit Scheinen und Münzen zahlt, spürt deutlich, dass er etwas hergibt. Das spricht das Schmerzzentrum des Gehirns an: hinterher fehlt ja etwas, das man vorher hatte.

Das funktioniert bei Zahlungen per Karte nicht - man bekommt seine Karte nach der Zahlung ja unverändert zurück.

Deshalb empfehlen viele Ratgeber wie z.B. Dave Ramsey, möglichst gar nicht mit Karte zu zahlen und Bargeld zu verwenden: man geht einfach bewusster und sparsamer damit um.

Und was heißt das?

Aus gutem Grund ist Bargeld allein heute nicht mehr die Lösung. Konten und Karten machen vieles einfacher. Einiges wie online-Shopping würde allein mit Bargeld gar nicht gehen.

Bargeld funktioniert aber auch, wenn es mal mit Konten und Karten schwieriger wird - und es ist nicht so leicht zu überwachen.

Es ist anfassbar und vermittelt eher ein Gespür für den Wert. Man sollte es deshalb nicht sterben lassen und nicht aufhören, es zu nutzen.

Und damit hat "Rettet unser Bargeld" recht.

Captain Kohle erklärt Jugendlichen Geld und Finanzen auf einfache Weise. Wenn Dich das interessiert, kannst Du hier mehr In neuem Fenster öffnenüber Captain Kohle erfahren und Dich hier In neuem Fenster öffnenüber neue Artikel informieren lassen. Und im ShopIn neuem Fenster öffnen findest Du das aktuelle Buchangebot.

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